01. März 2017

ChristInnen bei der Linken unterstützen die Initiative „Keine AfD auf dem Evangelischen Kirchentag“

 

Initiative „Keine AfD auf dem Evangelischen Kirchentag“
Kontakt: keine-afd-auf-dem-kirchentag@posteo.de
Pressemitteilung 13.2.2017

Theologen und Laien protestieren gegen Einladung der AfD zum Evangelischen Kirchentag
Online-Petition gestartet – Prominente Erstunterzeichner*innen
Die Initiative „Keine AfD auf dem Evangelischen Kirchentag“ kritisiert die Entscheidung des Kirchentagspräsidiums, die Bundesvorsitzende der „Christen in der AfD“, Anette Schultner, auf den Reformationskirchentag in Berlin einzuladen. Thema der Podiumsdiskussion mit der Parteifunktionärin soll die Frage „Christen in der AfD?“ sein.
Dagegen hat die Initiative eine online-Petition gestartet, für die auch prominente Unterstützer gewonnen wurden, wie die Theologieprofessoren Duchrow, Segbers, Pangritz und Vierzig. Frau Schultner sei Funktionsträgerin einer Partei, die sich nicht eindeutig von nationalsozialistischem Gedankengut und antisemitischer Hetze abgrenzt. Sie unterstütze ein politisches Programm, das dem Kern und den Grundüberzeugungen der Evangelischen Theologie und Sozialethik widerspricht, stellt die Initiative fest. Gerade im Vorfeld der Bundestagswahlen dürfe der Kirchentag keine Bühne für rechte Propaganda bieten: Er soll ein Forum für theologische und sozialethische Diskussionen bleiben und nicht als Wahlkampfveranstaltung instrumentalisiert
werden!
Den Einwand, es würden keine Parteien, sondern Menschen eingeladen, weist die Initiative angesichts der aktuellen politischen und medialen Situation zurück: Schon jetzt feiere die Partei die Einladung als politischen Erfolg. Zudem sei Frau Schultner kein unbeschriebenes Blatt:
Nach eigener Aussage ist sie seit der Gründungsphase Mitglied der AfD und wird jetzt Wahlkampfkoordinatorin in Schleswig-Holstein. Sie ist Gründungsmitglied der radikal rechten „Patriotischen Plattform“, war Mitglied des Landesvorstand Niedersachsen und stv. Vorsitzende des sogar für AfD-Verhältnisse rechts stehenden Kreisverbandes Weserbergland, dessen Vorsitzender Otto zu den Erstunterzeichnern der „Erfurter Resolution“ von Höcke und Poggenburg gehört. Im Rahmen einer Veranstaltung des Kreisverbandes posierte sie mit dem rechtsradikalen Autor Akif Pirinçci (Foto im Anhang), der vor wenigen Tagen in Dresden wegen Volksverhetzung verurteilt wurde (O-Ton Pirinçci: „Aber die KZs sind ja derzeit leider außer Betrieb.“).

-Anlage-
An das Präsidium des Evangelischen Kirchentags 2017
13. 2. 2017
Sehr geehrte Damen und Herren des Präsidiums,
mit Fassungslosigkeit haben wir aus der Presse erfahren, dass mit der Vorsitzenden der Bundesvereinigung „Christen in der AfD“ eine Vertreterin der AfD von Ihnen zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Kirchentags eingeladen wurde.
Sie bitten mit Frau Schultner die Funktionärin einer Partei aufs Podium, die sich nicht eindeutig und klar von nationalsozialistischem Gedankengut und antisemitischer Hetze abgrenzt. Sie unterstützt ein gesellschafts-, sozial- und migrationspolitisches Programm, das dem Kern und den Grundüberzeugungen der Evangelischen Theologie und Sozialethik widerspricht.
Wir bitten Sie dringend, diese Entscheidung zu überdenken. Der Kirchentag darf im Vorfeld der Bundestagswahl nicht zu einem Ort werden, wo dergleichen Positionen ein Forum bekommen.
Natürlich müssen wir den Dialog mit Menschen führen, die der AfD angehören oder ihrem Gedankengut nahe stehen. Dies sollte aber in einem Rahmen geschehen, der einen wirklichen Austausch und eine sachliche Debatte ermöglicht und fördert, z.B. auf Gemeinde- oder Kirchenkreisebene. Eine Podiumsdiskussion – noch dazu auf dem Jubiläumskirchentag mit entsprechender medialer Aufmerksamkeit – kann dies nicht leisten. Im besten Fall kommt es zum bloßen Austausch von Positionen, in jedem Fall aber bietet sie eine Bühne für rechte Propaganda. Schon jetzt feiert die Partei die Einladung als politischen Sieg.
Bereits heute werden rassistische, menschenfeindliche Äußerungen, die noch vor wenigen Jahren gesellschaftlich geächtet waren, ungeniert und öffentlich ausgesprochen. Dieser Entwicklung, die durch Ihre Einladung unseres Erachtens noch gefördert wird, sollten wir uns als Christen auf allen Ebenen entschlossen und konsequent entgegenstellen.
Erstunterzeichner*innen (alphabetisch):
Carina Baedorf, Theologiestudierende
Benedikt Brunner, Theologiestudierender
Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Universität Heidelberg
Wolfgang Falk, Journalist
Dr. Alexandra von dem Knesebeck, Kunsthistorikerin
Dr. med. Harald Kretschmer, Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
Prof. Dr. Andreas Pangritz, Bonn
Jochen Schwabedissen, Pfarrer i.R. (langjähriges ehemaliges Mitglied des Kirchentagsvorbereitungsausschusses der Evangelischen Kirche von Westfalen)
Prof. em. Dr. Franz Segbers, Universität Marburg
Cornelia Senne, Theologiestudierende
Dr. Angelika Vierzig, Archäologin Urgeschichte
Prof. Dr. Siegfried Vierzig, Religionspädagoge Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg

 

Übersicht aller Artikel | Schlagworte dieses Artikels: Pressemitteilung