27. Dezember 2016

Diskussionsrunde: Und was ist, wenn die Prävention nicht greift?

 

 

Und was ist, wenn die Prävention nicht greift? Wie kann und sollte eine sinnvolle Drogenpolitik ausgestaltet sein?

Diskussionsrunde am 27. Januar 2017 in der N11, Nauwieser Str. 11, 66111 Saarbrücken, ab 18 Uhr

2016 gab es mit 26 Drogentoten sieben mehr als im Vorjahr. Als rein statistischer Wert bei längeren Erfassungszeiträumen kein Wert, der aus dem Rahmen fällt. Und ein Wert, der die Opfer multitoxikomanen Langzeitkonsums (z.B. von Medikamenten) ausklammert, da diese meist als natürliche Todesopfer erfasst werden. Neu und erschreckend sind andere Fakten und Entwicklungen. Zum einen die Altersstruktur, die 2016 bei 30 bis 39 Jahren lag; der jüngste Drogentote wurde gerade einmal 19. Zum anderen der Mengenanstieg und der Preisverfall von Heroin und Kokain auch hier im Saarland in Verbindung mit dem Versagen der eigentlich gut ausgebauten, aber nicht greifenden Präventiv- und Substitutionsprogramme. In dieser Situation kommt nun der Ruf nach Entkriminalisierung und Legalisierung von Cannabis. Da Cannabis nicht zu einer körperlichen, sehr wohl aber psychischen Abhängigkeit führen kann, ist die dabei angeregte Verwendung von möglichen Einnahmen in Substitutionsprogramme sicherlich sinnvoll, der Ausbau der jetzt schon nicht greifenden Präventivmaßnahmen hingegen kritisch zu hinterfragen. Auch die angedachte Entlastung der Polizei dürfte ein Wunschtraum bleiben und vielmehr zu einer Einsatzverlagerung hin zur Bekämpfung der immer preiswerteren, harten Drogen führen.

Betrachtet man die laufende Diskussion kann festgestellt werden, dass die medizinische Verwendung, auf Grund mehrerer Studien, mehrheitlich kaum in Frage gestellt wird. Die Art der Applikation des CBD sowie THC scheint hier im Vordergrund zu stehen. Absurd sind in den Diskussionen sowohl die generelle Behauptung, dass Cannabis eine Einstiegsdroge ist, also quasi jeder Cannabiskonsument zwangsläufig zu harten Drogen wechseln wird, wie andererseits der Vergleich mit Alkohol oder Tabakprodukten. Statistisch liegt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand von Alkohol und Tabakprodukten zu harten Drogen wechseln wird, bei maximal 1-2 Prozent. Und nicht jeder Cannabiskonsument wird wechseln. Es kann nur festgestellt werden, dass der Weg zu Heroin und Kokain praktisch immer über weiche Einstiegsdrogen wie Cannabis führt – und das ist dann auch die einzig korrekte Verwendung des Begriffes „Einstiegsdroge“ in Bezug auf Cannabis.

Im Saarland stellt sich aber eine grundsätzliche, politische Frage: wenn Repressionen nicht gewünscht werden, die vorhandenen Präventiv- und Substitutionsprogramme nicht greifen, was also tun.

Auf eine erfolgreiche Diskussionsrunde und einen angenehmen Politiktalk!

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Anmerkung: Wenn im Text von Cannabis geschrieben wird, geht es nicht rein um die bedrolite-ähnlichen Produkte der 1960er mit einem THC-Anteil <1,5 Prozent, sondern um Cannabisprodukte in ihrer vollen Varianz von 1 bis 25% THC-Anteil bei den neueren Kunstcannabisprodukten.

 

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