15. AUGUST 2016

Diskussionspapier: DITIB, ja oder nein?!

 

Nein zum DITIB als Partner bei islamischen Religionsunterricht
Immer mehr Bundesländer gehen auf Distanz zum DITIB

Der bundesweite Dachverband DITIB - Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. – untersteht de facto der Aufsicht, Kontrolle und Leitung des Diyanets. Als staatliches Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Türkei untersteht dieses direkt dem Ministerpräsidenten(-amt). Dies erklärt auch, warum der DITIB mal liberaler, mal konservativer und in letzter Zeit deutlich pro Erdogan ist. Die Gebete werden durch Imame gestaltet, die an staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildet wurden, maximal für fünf Jahre nach Deutschland kommen und letzten Endes Beamte des türkischen Staates sind. Somit erklären sich auch die verbalen Äußerungen pro Erdogan. Der DITIB und damit die DITIB-Gemeinden sind also zweimal an die Türkei, an den regierenden Ministerpräsidenten gebunden: durch die Verbandsstruktur und durch die Imam-Regelung.

Die Zweifel an einer baldigen Unabhängigkeit des DITIB sind gerechtfertigt, wenn nun verlautbart wird, dass der DITIB plant sich selbstständiger zu machen. Es fehlen alle Hinweise, wie das geschehen soll, wie der Verlauf sein wird, wann überhaupt damit begonnen wird. Und man hatte für diesen Schritt seit 1984 Zeit. Im Gegensatz dazu haben aber viele Bundesländer gute Willen gezeigt und trotz der fehlenden Anerkennung des DITIB als Religionsgemeinschaft iSd Art 140 GG iVm 136-139, 141 WRV Verträge mit dem DITIB ausgearbeitet. Nun wäre es für den DITIB Zeit zu beweisen, dass das Vertrauen in einen deutschen Dachverband gerechtfertigt ist.

Die angesprochene Vertrauensbasis kann aber nur dadurch etabliert werden, dass der DITIB in einem ersten Schritt auf die zahlreichen Hochschulstudenten in den islamischen Studien in Deutschland zurückgreift. Diese, wie auch „eigene“ Studenten könnten ohne Probleme in der seit 2014 bestehenden DITIB-Akademie für den Einsatz in den Moscheen (Cami) ausbildet werden; man müsste somit nicht länger auf türkische Beamten für den Einsatz in den deutschen Gemeinden zurückgreifen. Ein weiterer - sicherlich nicht unerheblicher - positiver Nebenaspekt läge darin, dass die Imame dann auch Deutsch sprechen könnten. Aktuell ist das eher die Ausnahme. Parallel muss aber auch die Verbindung mit dem Diyanet deutlich reduziert oder aufgegeben werden. Man braucht hier in Deutschland einen verlässlichen, berechenbaren Ansprechpartner dessen Meinung nicht von der Tagesform des türkischen Ministerpräsidenten abhängig ist. Wie sonst sollte ausgeschlossen werden, dass über den DITIB politische Einflussnahme ins Klassenzimmer getragen wird? Und dies dürfte wohl die stärkste Befürchtung sein.

Es stellt sich abschließend immer noch die Frage, was für ein Islamunterricht angeboten werden sollte: ein schiitischer, ein sunnitischer, eher ein arabisch, türkisch oder kurdisch geprägter, in Landes- oder Herkunftssprache… Es wäre vielleicht an der Zeit, dass man prüft, ob es nicht sinnvoller wäre alle islamischen Glaubensrichtungen in einem Beirat zusammenzufassen, als Lehrsprache Deutsch zu wählen und das Fach weniger konfessionell, sondern vielmehr wissenschaftlich zu gestalten, was übrigens keine Einschränkung z.B. bei den Gebeten mit sich brächte. Für entsprechende Hilfestellung/wissenschaftliche Begleitung könnte man sicher das Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster gewinnen. Von hier stammen auch einige der Lehrenden an der evangelischen und katholischen Theologie an der Universität des Saarlandes.

Ausarbeitung Diskussionspapier: Dr. Andreas Neumann, Sprecher fds_Saar, Mitglied LAG Christ*innen bei der Linken Saar, 15.8.2016.

 

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