03. AUGUST 2016

Zur Entlassung eines Arztes durch die kirchliche Trägergesellschaft

 

Zur Entlassung eines Arztes durch die kirchliche Trägergesellschaft

Die Entlassung eines Chefarztes wegen Wiederheirat durch die kirchliche Trägergesellschaft ist staatsrechtlich abgesichert, sie ist jedoch Wasser auf die Mühlen derjenigen, die die juristischen Grundlagen dieser Position in Frage stellen. Die Bischöfe fallen damit jenen in den Rücken, die ge-gen diese Änderungswünsche die Stellung der Kirchen in der Zivilgesellschaft verteidigen. Diese Haltung betrifft nicht nur Chefärzte, sondern in gleicher Weise Kindergärtnerinnen, Kranken-schwestern, Lehrer etc. und zielt auf die Vernichtung ihrer bürgerlichen Existenz. Sie ist damit arro-gant, herrschsüchtig und brutal sowie politisch dumm. Sie ist auch theologisch nicht zu halten: Das grundsätzliche moraltheologische Festhalten an der Unauflöslichkeit der Ehe sagt nichts über das pastoraltheologische Verhalten gegenüber denen, die an dieser Forderung gescheitert sind. Die gleichen Kleriker, die darauf verweisen, dass wir eine Kirche der Sünder sind, wenn es um ihr eige-nes Fehlverhalten geht, vergessen dies aber, wenn es um Geschiedene geht. Exegetisch haben Evangelische dieselben biblischen Texte wie die katholische Kirche, kommen aber zu einem ande-ren Verhalten gegenüber Geschiedenen, dies unabhängig von der Frage nach der Sakramentalität der Ehe.
Das Verhalten der Bischöfe ist daher arrogant, herrschsüchtig, brutal, politisch unklug, theologisch nicht zu halten und damit letztlich unchristlich.

Dr. Walter Kappmeier
Friedrichstr. 51
6459 Limbach
w.kappmeier@t-online.de
06841-9735066


Dr. Walter Kappmeier ist fds-Mitglied und Sprecher der LAG Christ*innen bei der Linken.

 

Übersicht aller Artikel | Schlagworte dieses Artikels: Leserbrief, Klarstellung