25. JUNI 2016

Eine kleine Betrachtung - Nun wird also das United Kingdom zerfallen! Eher nicht.

 

 

Schottland ist zwar eindeutig festlands-europäischer ausgerichtet, als England und Wales. Jedoch werden ganz rational-pragmatische Gründe eine Separation verhindern. Denn gerade durch die Diskussionen und Erlebnisse nach dem Brexit, werden die Schotten sehr genau abwägen, was ein Ausscheiden aus dem UK und eine Rückkehr zur EU genau bedeutet. Und hier sei nur auf die bestehenden wirtschaftlichen Verflechtungen England-Schottlands hingewiesen. Anders sieht es in Nordirland aus. Hier liegt mit der Republik Irland eine direkte Grenze zu einem EU-Staat direkt vor der Haustür. Doch wird sich Nordirland es sich nach 2007 sicherlich mehr als einmal überlegen, ob es sich dem „Keltischen Tiger“ anvertrauen möchte. Gerade die in der EU übliche Praxis Geld nach Irland zu verschieben, ohne das es wirklich ins Land floss und die Immobilienblase mit all ihren katastrophalen Auswirkungen sind vielen immer noch zu gut im Bewusstsein.

Ob allen EU-Staaten ein unabhängiges Schottland oder Nordirland herzlich willkommen sein dürfte, darf man übrigens anzweifeln. Spanien dürfte mit den Autonomiebestrebungen Kataloniens und des Baskenlandes an einem Präferenzfall ebenso wenig gelegen sein, wie Belgien mit seinem flämischen Problem. Nur um zwei Beispiele zu nennen.

Was wird also geschehen? Bemühen wir doch mal die Glaskugel. Nun vielleicht wird es weitere Referenden geben. Sicherlich wird die EU nach außen hin den Eindruck vermeiden das UK mit Silbertafelgeschenken zu verhätscheln, aber andererseits im wirtschaftlichen Sektor zahlreiche Kompromisse eingehen und ansonsten vorsichtig agieren. Denn die Handelsbeziehungen sind für beide Seiten einfach zu wertvoll.

Und sollten alle Stricke reißen besteht für den nächsten Premierminister oder nächste Premierministerin immer noch die Möglichkeit vom Exit vom Brexit durch ein weiteres Referendum herbeizuführen und die Lage im Vereinigten Königreich dadurch auf jeden Fall wieder auf den Status Quo zu bringen.
Dr. Andreas Neumann

 

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